Wie man aus Nichts ganz Viel macht…

Wir leben in einer Konsum- und Unterhaltungsgesellschaft – Entertainment ist angesagt. Das Volk will unterhalten werden. In diesem Sinne gibt es in fast jeder Tourismus-Gemeinde entsprechende Einrichtungen und Angebote – mal mehr, mal weniger.

Eine solche Einrichtung, die mittlerweile weit über die lokalen Grenzen hinaus sehr bekannt ist und Gäste auch aus einem größeren Umfeld anzieht, haben wir diesen Sommer zweimal besucht: die Geierwally Bühne in Elbigenalp. Ein Veranstaltungszentrum für ca. 650 Besucher, eingebettet in die natürliche Kulisse der Bernhardstalschlucht. Multifunktional, barrierefrei, natürlich und extrem beeindruckend. Ohne großen Schnick-Schnack, dafür mit moderner Ton- und Lichttechnik. Mit zum guten Ton gehört auch der nahe vorbeifließende Bach, der eine ganz eindrucksvolle Stimmung erzeugt – inbesondere bei Regen, vor dem ein großes Zeltdach die Besucher schützt.

Manch einen Besucher mögen die in dieser Schlucht herrschenden Temperaturen irritieren – so kann es auch im Sommer schon mal nur knapp +7°C haben. Doch warme Decken und Kleidung bringen die zahlreichen Wiederholungstäter unter den Besuchern schon automatisch selbst mit. Das gehört einfach zum Flair dieser Bühne und ist zudem wesentlich nachhaltiger als jedwede Versuche einer Klimatisierung oder Beheizung.

Wir haben uns Anfang Juli das anspruchsvolle Theaterstück “Anton Falger” und gestern die konzertante Aufführung “Daniela de Santos – Königin der Panflöte” angesehen bzw. angehört. Gerade die gestrige Aufführung faszinierte mich: die Akustik war phänomenal. Sehr beeindruckend, was man alles aus einer (räumlich stark begrenzten) Naturbühne herausholen kann. Wer jetzt an ein fades, ruhiges Flötenkonzert denkt, liegt völlig falsch. De Santos präsentierte eine aufgelockerte und mit viel Einsatz gespickte Rundreise durch zahlreiche Musikstile – von Klassik über Rock, Pop, Latino bis hin zu Schlagermusik. Als dann noch der Saxophonist Andrew Young hinzu kam, rockte die Bühne. Die gesamte Show lief von 20:00 bis 23:05 Uhr mit einer ca. halbstündigen Pause. Am Ende gab es Standing Ovations und zahlreiche Zugaben.

Diese Besuche haben mir wiederum bewiesen, wie man mit viel engagiertem Einsatz, Ideen und Zusammenhalt etwas sehr Beeindruckendes mit verhältnismäßig wenig Geld (genaue Zahlen sind nicht bekannt, einige wenige Quellen sprechen von gut 800.000 € für die Modernisierung 2021/22) auf die Beine stellen kann. Ich wage es mir nicht vorzustellen, was daraus geworden wäre, wenn die Elpigenalp’er dafür 3,8 Mio € zur Verfügung gehabt hätten…

Anmerkung: aus Platzgründen werden die Bilder in reduzierter Auflösung dargestellt.