Gemeindeversammlung 18. Sept. 2025

Ziemlich genau nach 2 Jahren (und 13 Tagen) gab es in Ehrwald wieder eine Gemeindeversammlung, welche eigentlich lt. Gesetz mindestens einmal jährlich abzuhalten ist. Bgm. M. Köck erklärte dies damit, dass er es bevorzugt auch tatsächlich etwas (positives) berichten zu können und dies letztes Jahr einfach (noch) nicht gegeben war. Somit wurde gestern drei ausgewählte Themen der interessierten Bevölkerung präsentiert, nachdem der Bürgermeister einen kurzen (langen) Überblick über das Geschehene gegeben hatte.

Die interessierte Bevölkerung bestand aus 70 Personen, womit die meisten Plätze im Saal leer blieben. Ob man daraus ein politisches Desinteresse der Bevölkerung ableiten kann, wage ich zu bezweifeln. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass es an der in meinen Augen unzureichenden Informationspolitik der Gemeindeführung liegt. Auf der Homepage der Gemeinde fand sich lediglich der formelle Aushang auf der Amtstafel und auch auf der inzwischen nachgebesserten Homepage des Saales fand sich nur der Termin selbst. Darauf angesprochen verwies Bgm. Köck auf die Gem2Go-App (welche mE. nicht jeder hat, auch ich nicht) und die Gemeindezeitung (welche im Juli veröffentlicht wurde). Auf dem (Fuß)Weg zur Versammlung selbst sind mir mehrere Einheimische begegnet die mir auf Anfrage, ob sie denn heute auch auf die Versammlung kommen antworteten, dass sie davon nichts wüssten bzw. es schon längst wieder vergessen hatten. In anderen Gemeinden wird diesbezüglich wesentlich intensiver und effektiver informiert. Ich muss mich hierbei auch selbst an der Nase nehmen: Am Mittwoch, beim Veröffentlichen meines Blogs über die 32. GR-Sitzung hatte ich noch überlegt, ob ich dort einen deutlichen Aufruf zur Teilnahme veröffentlichen soll. Ich entschied mich dagegen, als Experiment was herauskommen würde – nun weiß ich es: “nur” 70 Besucher – diesen herzlichen Dank für ihr Engagement. Auch auf Seiten der Gemeinderäte zeigten sich drei Lücken.

Infolge des Umfanges des Berichtes des Bürgermeisters, erlaube ich mir die anderen Tagesordnungspunkte vorzuziehen, weil sich diese auch einfacher lesen lassen. Ich bitte dies keinesfalls als Abwertung oder Missachtung der Position von Bgm. Markus Köck zu verstehen. Wir haben inzwischen zu einem sehr kooperativen und konstruktiven Verhältnis gefunden – zum Wohle der Gemeinde.

TOP 4 – Hallenbad

Auch wenn es von offizieller Seite eher ruhig ist, pfeifen es die Spatzen schon länger von den Dächern: die Sanierung des Ehrwalder Hallenbades schreitet zügig voran.

So konnte Architekt Marco Holzer berichten, dass alle Planungen und Einreichungen erledigt sind. Die Bauverhandlung hat am 17. September 2025 stattgefunden und der offizielle Baubeginn ist der 29. Sept. 2025.

Der Fokus des neuen Bades wird auf “Schwimmen” liegen, somit wird es keinen Saunabereich mehr geben. Im alten Saunabereich wird ein Fitnessstudio entstehen. Auch das Restaurant wird in ein kleineres Bistro (mit Bistroküche) umgebaut, welches dann vom Schwimmbereich als auch dem Kinderspielplatz erreichbar sein wird.

Die Umkleidekabinen und der Sanitärbereich bleiben wo sie sind – werden komplett erneuert. Der “Wintergarten” wird abgerissen und neu gestaltet, ebenso der Rutschenturm, der eine “futuristische Form” bekommt. An den beiden Becken ändert sich nichts – Boden, Wände und Decken rundherum werden komplett saniert. Durch Schaffung gegeneinander akustisch abgeschotteter Bereiche wird auch eine Ruhezone geschaffen. Dies soll auch die Attraktivität steigern.

Hauptkostenfaktor wird die Sanierung bzw. der Ersatz der kompletten Technik (Energie, Wärme, Luft, Wasseraufbereitung und Elektrik). Die Gesamtkosten liegen bei 11,8 Mio € welche zu jeweils 50% von der TZA und Gemeinde getragen werden. Die erwartete Landesförderung iHv mind. 3 Mio € wird dabei komplett dem Gemeindeanteil zugerechnet. Der verbleibende Restbetrag wird dann über ein sehr günstiges Darlehen mit 0,84% Verzinsung (Übernahme von der TZA) und dem Verkaufserlös Panorama/Gamsalm finanziert.

Auch hierzu einige Bilder (sobald ich bessere erhalte, werde ich sie ersetzen)…

TOP 3 – Projekt Rossmoos

Ing. MMSc Felix Lassacher (Abt. Umweltschutz Amt der Tiroler Landesregierung) präsentierte das bereits am 14. Mai 2024 dem Gemeinderat (siehe 21. GR-Sitzung) vorgestellte Projekt “Revitalisierung Rossmoos”. Dieses ist Teil der Moorstrategie Österreich 2030+ aus dem Jahr 2022 und wird vollständig aus EU-Mittels sowie einem Landeszuschuss finanziert – auf die Gemeinde Ehrwald kommen keine Kosten zu.

In den letzten 15 Monaten ist nunmehr die Grundlagenerhebung (zur Absicherung des Ist-Zustandes und zur Vermeidung von Verschlechterungen für die Anrainer) sowie die Einreichplanung abgeschlossen. In der Folge sind noch Pflege- und Förderkonzepte zu planen, Alternativvarianten zu prüfen und die Einreichung bei der BH-Reutte (naturschutz-, wasser- und forstrechtliche Bewilligungen) zu erledigen. Insgesamt wird die Umsetzung ca. 10 Jahre in Anspruch nehmen.

Konkret geht es um den Bereich südlich des Holzlagerplatzes Obere beim Fussballplatz.

Dies war historisch gesehen schon einmal ein Moor, ist jedoch in den letzten Jahrzehnten verwildert. Nun soll der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden, damit sich typische Flora und Fauna eines Moores wieder ansiedeln kann.

Von anwesenden Anrainern (niemand grenzt direkt an dieses Gebiet an) wurden auch kritische Fragen gestellt und Bedenken geäußert. Konkret ging es um potentielle Gefahren welche vom Grundwasserspiegel ausgehen. Hierzu wurde ausgeführt, dass der Grundwasserspiegel sehr stark an den Fließgewässern hängt und stehendes Wasser in diesem Gebiet keinen Einfluss auf das Siedlungsgebiet hat. Zudem wird der Wasserspiegel nur im Kernbereich reguliert (im Bereich von 10 cm) und die Randzonen eine ständig überwachte Sicherungszone darstellen. Damit ist sichergestellt, dass angrenzende Grundstücke nicht negativ beeinflusst werden.

Herr Lassacher hat zahlreiche Bilder präsentiert, um welche ich ihn gebeten habe. Sobald ich diese erhalte, werde ich sie hier veröffentlichen (uU. als eigenen Beitrag).

TOP 2 – Wohnanlage Zugspitzstraße

Ing. Elmar Draxl von der Neuen Heimat Tirol stellte das bereits bekannte Projekt noch einmal vor, da die Fertigstellung und damit der Bezug in kurzer Zeit bevorstehen wird. Zudem haben interessierte Bewerber nur noch eine Woche (bis 30. Sept. 2025) Zeit ihre Bewerbungen einzureichen.

Insgesamt gibt es 12 Wohnungen: 6 Stk. 2, 5 Stk. 3 und eine 4 Zimmer Whg. mit jeweils 48 bis 91 m², verteilt auf drei Ebenen (EG + 2 OGs). Jede Wohnung hat einen Tiefgaragenplatz (die 4-Z-Whg zwei). Diese Wohnungen werden nur als Mietwohnungen vergeben, weil die Konstruktion als Baurecht keinen Eigentumserwerb zulässt. Nach 52 Jahren wird das Gebäude in das Eigentum des Grundeigentümers (Barmherzige Schwestern Zams) fallen.

Weitere Details sind einem Exposee auf der Homepage zu entnehmen. Die Vergabe der Wohnungen erfolgt durch die Gemeinde Ehrwald – Bewerbungen sind dort einzureichen. In der Folge werden alle Bewerber von der Gemeindeführung kontaktiert und müssen sich auf der Gemeinde einen Fragebogen abholen, der ausgefüllt wieder abzugeben ist. Die Auswertung erfolgt nach festgelegten Kriterien mit einem Punktesystem. Die Zuteilung erfolgt nach der Reihenfolge der erreichten Punkte.

TOP 1 – Bericht des Bürgermeisters

Kurz zusammengefasst (ohne Anspruch auf 100%-ige Vollständigkeit)

  • 2024 Faltenbach beschädigten umgestürzte Bäume die neue Quellstube => 232 T€ Kosten abzgl. Förderungen Bund und Land
  • Im Wasserbassin musste die UV-Anlage erneuert werden => 91 T€
  • Verklausung Lähngraben und Räumung durch Neuberger um über 100 T€ im Jahr 2024
  • großer Felssturz am Wetterstein im Jahr 2024
  • Mure Gamskar 2024 verschüttet Bergstation, seither Gamskarlift außer Betrieb
  • Fotos von Sturzbächen nach Schlagwetter im Juli 2025 im Bereich Koppen
  • Mure Gamskar 2025 mit massiven Verschüttungen, Wasser mit feinen Sedimenten ist auf der Straße bis “Stasl” und auch in Kläranlage gelangt was dort zu Problemen mit Pumpen geführt hat. Feinsediment verhindert zukünftige Wasserversickerung im Waldbereich. Im Bereich der Felskante gibt es teilweise bis zu 25 m tiefe Krater. Lähngrabenbecken musste ausgebaggert werden (25 T€). Das Material wird im Bereich Skigasse zwischengelagert und für Wegesanierung verwendet. Expertenrunde empfahl Errichtung eines Schutzdammes mit ca. 200 m Länge zur Ableitung in die alte Linie => 230 T€ abzgl. Förderungen (Höhe noch unbekannt – Vorfinanzierung durch Gemeinde). Begehung Weißlähn ergab dass diese deutlich weniger Einzugsbereich hat und auch andere geologische Voraussetzungen (wesentlich grobblockiges Material) und hier keine größere Gefärdungen erwartet werden.
  • Müll in den Hundeklos => eigene Verordnung zur verpflichtenden Aufnahme des Hundekodes.
  • Müllpickerl hat ausgedient, Mülltonnen mit Transpondern ausstatten um zukünftig Eigentümer und Müllmenge (Gewicht) zuordnen zu könnnen inkl. Abrechnung. Ehrwald hat mehr Restmüll als Reutte!
  • Bürgerkarte wichtig für Sperrmüll (wird dann in Quartalsabrechnung abgerechnet), auch Zugang zur Kompostierung (Grünschnitt, Äste, Holzrestmaterial, etc.).
  • Großes Lob für Bauhof unter Marcel Leitner mit Kreisverkehr und Brunnen Weidach
  • Tausch des Anhängers und neue Salzstreuer
  • Gartgengeräte für Friedhof
  • Bau Bauhofhalle, Vorfinanzierung bis Förderung vom Land kommt
  • Wasserlecks, 2022 waren es 18 lt/s jetzt nur noch 8 lt/s davon entfallen 4 lt/s auf die Brunnen, es erfolgte auch Tausch/Reparatur der Hydranten
  • Neubau Wasserleitung Ganghoferstr. um 570 T€ davon 170 T€ aus Wasserleitungsdarlehen
  • Jährliche Neuasphaltierung um ca. 100 T€ geplant
  • Bushaltestellen, 8 Stk. gesamt, ca. 346 T€ davon 196 T€ Förderung
  • Pfeilmarkierungen Ganghofer und Zugspitzstraße kommen gut an – Zebrastreifen waren nicht bewilligungsfähig.
  • Dosierampel Schanz 500 KFZ/Stunde, wird jetzt nach einem Jahr neu evaluliert und ggf. angepasst
  • Im LWL-Netz wurde viel gebaut -> unter www.bbsa.tirol gibt es Auskunft wo Anschlüsse möglich sind inkl. Verfahrensweg samt Formulare.
  • Explorer Areal wurde an TZA verkauft – Gemeinde verzichtete auf Vorkaufsrecht unter bestimmten Auflagen.
  • Spatenstiche und Errichtung von zwei Wohnanlagen => NHT in Zugspitzstrasse und WE in Schmitte
  • Entmoosung des Daches der Martinskapelle
  • Sanierung MZG und Wasserleck Ibk-Straße vor Feuerwehr
  • barrierefreier Zugang Zugspitzzwerge samt Einzäunung als Schutz vor freilaufenden Hunden um 51 T€ abzgl. 31 T€ Förderungen
  • Neuer Gymnastikraum im Turnsaal samt neuer Decken Beleuchung => 218 T€ abzgl. 165 T€ Förderungen
  • Neue Schulküche um 112 T€ abzgl. 60 T€ Förderung
  • Rollrasen am Schulhof Finanzierung über anonymen Spender/-in
  • PV-Anlagen Volksschule (32 kWp) und am MZG (38 kWp) => Restkosten 11 T€
  • EEG-Zugspitze -> Infoveranstaltung Do. nächste Woche in Lermoos
  • Klimaticket für Einheimische um 100,- €, VVT-Busse Gemeinden zahlen 20%, 2024 wurden 124 und 2025 160 Tickets in Ehrwald verkauft
  • einheitliche Parkgebühren um 45,- € für Einheimische => jeweils erste und zweite Mai/Nov. Wochen
  • Ehrung Christian Thomsen 2x Gold Paraolympics
  • 2025 Bezirks Militärmusikkonzert Tirol mit Spendenerlös iHv 3.000,- € für einen guten Zweck
  • Mario Gasser wurde der Titel “Professor” verliehen
  • Tiroler Gemeindebundtag in Ehrwald
  • Pflegeheim Ehrenberg (Haus Sintwag) eröffnet
  • Sanierung Krankenhaus um 40 Mio €
  • SGS wäre aus Ehrwald weggezogen weil zu klein geworden -> Nachbarwohnung wurde dazu genommen -> Gemeindekosten insg. nur 23 T€
  • Freizeitbetriebe: neue Banden und neues Kühlmattensystem am Eislaufplatz (Förderung 1/3 Land), Kinderspielplatz am Hallenbad
  • Verschuldungsgrad von 83% auf nun 30%, akt. Schuldenstand jedoch von 1,5 Mio auf 4,3 Mio €
  • Ableben des Bgm.a.D. Martin Hohenegg wurde kurz erwähnt
  • Gottfried Schennach ging in Pension und spendierte das übliche das Essen dem SGS

Danach gab Bgm. Köck noch eine kurze Vorschau auf das Jahr 2026

  • Start Projekt Gaisbach 2025 (Sanierung Geschiebebecken) im Herbst -> 20% von 2,4 Mio € von Gemeinde zu bezahlen, wird Thema der nächsten Gmeindeversammlung
    • Eröffnung Hallenbad – im September 2026, dazu eigener TOP
    • Sanierung diverser Infrastrukturen
    • Neues Fahrzeug für die FF-Ehrwald

TOP 5 – Allfälliges

Etwas zögerlich meldeten sich auch hier einige Gemeindebürger/-innen mit folgenden Themen:

  • Warum gibt es unterschiedliche Regeln bei den Holzplätzen? Damit wurde das durchaus konfliktfähiges Thema einer “Mehrklassen-Gesellschaft” angeschnitten, welches in der Kürze der Zeit erwartungsgemäß nicht gelöst werden konnte.
  • Es werden immer wieder Fahrzeuge (mit ausländischen Kennzeichen) beobachtet, welche die Schrankenanlagen bei den Forstwegen irgendwie überwunden haben mussten, obwohl dies nur mit Berechtigung möglich sein sollte. Auch hier konnte keine Lösung gefunden werden, die Substanzverwalter sind jedoch dankbar für Fotos samt Angabe von Ort und Zeit.
  • Betreffend illegaler Müllablagerungen (insb. entlang der Parkflächen) informierte Bgm. Köck, dass dies durch die Bergwacht Biberwier akribisch kontrolliert werde. Diesbezüglich habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass dies infolge der fehlenden gesetzlichen Neuregelung der Bergwachtsgebiete rechtlich nicht gedeckt ist.
  • Es wurde positiv festgehalten, dass im (fast) gesamten Gemeindegebiet Warnschilder in Form von Kinderattrappen, welche Autofahrer zu erhöhter Vorsicht anleiten sollen aufgestellt – lediglich die Schmiede wurde hier vergessen. Bgm. Köck erteilte umgehend die Anweisung an den Bauhof dies nachzuholen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich um eine ruhige, informative und gelungene Veranstaltung gehandelt hat – leider mit eingeschränkter Besucheranzahl. Das werden wir das nächste mal besser machen…