Über den Tisch gezogen…

Nach über 50 Jahren als treuer Kunde dachte ich eigentlich, ich kenne meinen lokalen Energieversorger und kann mich auf ihn verlassen. Doch man lernt nie aus. Kürzlich durfte ich die faszinierende Erfahrung machen, dass ich für die Lieferung von 224 kWh selbst erzeugtem PV-Strom 37 Euro bezahlen durfte. Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich zahle dafür, dass ich Strom an unseren lokalen Energieversorger liefere (den er dann teuer weiterverkauft).

Möglich macht dies die kreative Auslegung meines Vertrags: „Spotmarktpreis abzüglich 0,95 Cent“. Da der Marktpreis (lt. Energieversorger) offenbar unter diese Marke rutschte, wurde aus der Vergütung kurzerhand eine Art „Strafzahlung“ für meine umweltfreundliche Einspeisung. Ein mathematisches Kunststück, das man erst einmal sacken lassen muss. Natürlich kann man sagen: „Steht halt so im Vertrag.“ Man kann vieles in Verträge schreiben. Die Frage ist nur, ob das noch zu dem passt, was man jahrelang propagiert und in entsprechende Gesetze gießt: PV-Ausbau, Bürgerbeteiligung, Energiewende. Wenn am Ende der Einspeiser zum Zahler wird, ist das zumindest eine interessante Interpretation von „Förderung“.

Auf meine höfliche Nachfrage, warum ich unter diesen Umständen eigentlich nicht sofort zu einem anderen Anbieter wechseln sollte, hüllte sich der Kundenservice in vornehm schweigsame Zurückhaltung. Keine Argumente? Keine Rechtfertigung? Ich interpretiere dieses Schweigen nun einfach als charmante, indirekte Aufforderung, mir nach einer halben Ewigkeit ein neues Zuhause für meine Energieange­legen­heiten zu suchen.

Auf jeden Fall bedanke ich mich bei unserem lokalen Energieversoreger für diese finale Lektion in Sachen Kundenbindung. Nach über fünf Jahrzehnten Treue ist es schön zu wissen, dass man am Ende doch noch so richtig „über den Tisch gezogen“ werden kann. Ich werde der Einladung zum Wechseln dankend und zeitnah nachkommen.


Da es in dieser Rechnung auch noch andere Ungereimtheiten gab, habe ich formell Einspruch dagegen eingelegt und erwarte eine zeitnahe Stellungnahme. Insbesondere erwarte ich mir einen Beweis dafür, das der meinem Vertrag zugrunde liegende Spotmarktpreis im Zeitraum 1. Okt. bis 30. Nov. 2025 durchgängig negativ war. Ich bin auch gespannt, was der Konsumentenschutz zu meiner Rechnung sagen wird.

Hat sonst noch jemand von Euch ähnliche Erfahrungen machen müssen? Vielleicht können wir unsere Erfahrungen austauschen oder uns gemeinsam beim Konsumentenschutz melden.


Das Bild wurde von der freundlichen KI “nano Banana” erstellt

ACHTUNG: satirische Darstellung!

hat mir nicht gefallenhabe mir mehr erwartetwar recht gut und interessanthat mir sehr gut gefallensuper Beitrag! (9 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 von 5)
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